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Waldbaden – Waldtherapie in der Ergotherapie

Waldtherapie: Der Wald wird bewusst und mit allen Sinnen wahrgenommen

Im Sommer steigen die Temperaturen und der Wald wird für viele Menschen zum angenehmen Rückzugsort. Die dichten Blätterdächer spenden Schatten, die Luft ist kühler und feuchter, und die natürliche Umgebung bietet Erholung für Körper, Geist und Seele. Gerade an heißen Sommertagen zeigt sich der Wald somit als wertvolle natürliche Ressource, um der Hitze zu entkommen und den Körper zu entlasten.

Vor allem aus ergotherapeutischer Sicht bringt ein Aufenthalt im Wald viele positive Auswirkungen mit sich. Waldtherapie geht jedoch über einen gewöhnlichen Waldspaziergang hinaus.

Bachelorarbeit zeigt positive Auswirkungen der Waldtherapie auf

Eine Literaturrecherche im Rahmen der Bachelorarbeit von Lea Sophie Grünberger zeigte auf, dass Waldtherapie mit vielfältigen positiven Veränderungen des psychischen Wohlbefindens einhergeht. So können das subjektiv wahrgenommene Stressniveau gesenkt sowie die Konzentration der Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin und Burnout-Symptome gemindert werden. Gleichzeitig können depressive Symptome, Angstzustände, Anspannung und negative Affekte verringert werden. Darüber hinaus trägt Waldtherapie zu einer positiveren Stimmungslage bei und die Schlafqualität von Menschen mit psychischen Erkrankungen wird optimiert.

Die Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit zählt ebenfalls zu den positiven Veränderungen der Waldtherapie – so litten Büromitarbeiter*innen mit Ausblick auf Natur- und Grünflächen deutlich seltener unter Konzentrationsschwierigkeiten und Frustration. Nebenbei waren ihre Freude an der Tätigkeit sowie ihr allgemeines Wohlbefinden signifikant erhöht. Weiters werden positive Effekte auf soziale Kompetenzen und zwischenmenschliche Beziehungen sowie eine Stärkung von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen beschrieben. Die Waldtherapie bringt außerdem eine blutdrucksenkende Wirkung sowie eine positive Wirkung auf chronische Erkrankungen (v.a. Atemwegserkrankungen wie Asthma) mit sich.

Was ist Waldtherapie in der Ergotherapie?

Strukturierte, zielorientierte Praxis der Waldtherapie in der Ergotherapie ist mehr als ein einfacher Waldspaziergang und trotzdem geht es genau darum: eine bewusste, ruhige Auszeit im Wald bringt für jeden wertvolle gesundheitliche Aspekte mit sich. Der Zugang ist kostenlos und die Menschen können dies gut in ihren Alltag transferieren - es reicht bereits, wenn sie sich 15 Minuten Zeit dafür nehmen.

Der Wald kann durch seine faszinierenden Sinneseindrücke zur Entlastung beitragen, als Ort der Sicherheit dienen und Raum für neue Gedanken und Ideen sein. Bewusste Aufenthalte in der Natur ermöglichen Abstand von alltäglichen Anforderungen und können präventiv Faktoren reduzieren, die das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen, wodurch Erkrankungen vorgebeugt werden kann. Der Abstand von gesellschaftlichen Druck und Konsum, der digitalen Welt und Erwartungen kann zum Stressabbau beitragen. Gerade an heißen Sommertagen haben Grünflächen in Städten sowie Wälder eine um 8-15 Grad niedrigere Boden- und Umgebungstemperatur.

Die Zeit im Wald erlaubt einfach nur zu sein, vermittelt das Gefühl von Angenommensein und Freiheit.

Eine kurze Übung

15 Minuten im Wald und mit den Sinnen bewusst wahrnehmen, wertschätzen und genießen!

Fünf mal tief durchatmen - dabei länger ausatmen als einatmen.

Die Waldatmosphäre mit allen fünf Sinnen wahrnehmen (zur Entspannung, im Umgang mit Schmerz, verbessertes Lernen,…) – alleine oder mit Freund*innen, Kindern, Partner*in, Eltern, …

  • Sehsinn: Ich schaue mich bewusst um und nehme unterschiedlichen Lichtverhältnisse, Strukturen, verschiedene Grün- und Brauntöne sowie Formen wahr. Dabei wechsle ich bewusst zwischen dem gesamten Wald und einzelnen Bäumen.
  • Geruchssinn: Ich atme bewusst ein und nehme verschiedene Gerüche wahr, beispielsweise den Duft von Erde, Holz oder auch (reifen und überreifen) Früchten.
  • Hörsinn: Ich höre bewusst hin und achte auf Geräusche wie Vogelzwitschern, Blätterrauschen, das Plätschern eines Baches oder meinen eigenen Atem. Auch entfernte Geräusche, wie Autos von einer Straße, dürfen wahrgenommen werden.
  • Tastsinn: Ich taste, greife und spüre unterschiedliche Materialien. Dabei nehme ich bewusst Oberflächen, Temperaturen und Feuchtigkeit wahr.
  • Geschmackssinn: Wenn es sicher möglich ist, nehme ich essbare Waldfrüchte, beispielsweise Beeren, bewusst in den Mund und achte auf ihren Geschmack.

Gerne Zeit nehmen, ausprobieren und genießen!

Kontakt für fachliche Fragen