Einfluss einer Therapiepause bei Kindern mit phonologischer Aussprachestörung im Alter von 5 – 6 Jahren (ETKA)

Die Sprache ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für die zwischenmenschliche Kommunikation sowie den Wissenserwerb, sprachliche Kompetenzen stellen v.a. eine zentrale Voraussetzung für eine aktive Teilhabe in der Gesellschaft dar. Es ist daher unabdingbar, Defizite im Spracherwerb im Kindergartenalter frühestmöglich zu diagnostizieren sowie zu behandeln.

Eine Früherkennung von Spracherwerbsstörungen und ein zeitnahes Angebot von daraus abgeleiteten geeigneten Maßnahmen können sekundäre Folgen von Störungen im Spracherwerb verhindern. Insbesondere Störungen, die die phonologische Ebene betreffen (wie phonologische Aussprachestörungen), stellen ein erhöhtes Risiko dar, Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreib-Erwerb zu entwickeln. Im deutschsprachigem Raum geht man davon aus, dass ca. 16 % der Kinder im Alter von 3 – 8 Jahren bis zum Schuleintritt von einer Aussprachestörung betroffen sind. Auf Grund der hohen Nachfrage nach logopädischer Betreuung warten jedoch viele Kinder bis zu vier Monate, bevor eine Therapie gestartet werden kann.

Das Ziel einer Aussprachetherapie ist dann erreicht, wenn der Transfer des Gelernten in die Spontansprache gelingt. Um dies sicherzustellen, muss das Kind, das Wissen, wie der Laut gebildet wird bzw. wie sich der Laut anhört, automatisieren. In der Wirksamkeitsforschung der Kindersprachtherapie herrscht bis dato Uneinigkeit in den Bereichen Therapieintensität sowie der Interventionsdauer. Die Therapieintensität wird durch die Anzahl der sprachspezifischen Anteile und der verwendeten therapeutischen Handlungen innerhalb einer Therapieeinheit sowie der Therapiefrequenz bestimmt. Vor allem im Bereich der Therapiefrequenz sind Logopädinnen und Logopäden an das jeweilige, vom Kostenträger des betreffenden Landes vorgegebene Versorgungssystem gebunden. In Bezug auf die Interventionsdauer kann lediglich festgehalten werden, dass dies nicht für jedes Kind generalisiert werden kann. Einerseits können Langzeittherapien zur Stagnation im Therapieerfolg führen, andererseits gibt es Hinweise darauf, dass es bei zu kurzer Interventionsdauer zu keiner Festigung der erworbenen Fähigkeiten kommt. Daraus ergeben sich Unsicherheiten im therapeutischen Alltag in Bezug auf die Therapieintensität, die Interventionsdauer bzw. welche Grenzwerte erreicht werden sollten, um Generalisierungseffekte zu erreichen.

Gemeinsames Forschungsprojekt

Die FH Gesundheitsberufe OÖ hat deshalb das Projekt „ETKA – Einfluss einer Therapiepause bei Kindern mit phonologischer Aussprachestörung im Alter von 5 bis 6 Jahren“ gestartet. Das Projekt läuft bis Frühjahr 2021 und wird seitens FH Gesundheitsberufe OÖ von Doris-Detter-Biesl, MSc, Logopädin und hauptberuflich Lehrende am Studiengang Logopädie sowie Dr. Bernhard Schwartz, MSc BSC, Forschungskoordinator an der FH Gesundheitsberufe OÖ, geleitet. Partner sind Barbara Kraxberger (Leitung Abteilung Logopädie der Caritas für Kinder und Jugendliche) und Martina Bernegger (Leitung Logopädischer Dienst der Volkshilfe Gesundheits- und Soziale Dienste GmbH).

Gemeinsames Ziel

Das primäre Ziel der geplanten randomisierten kontrollierten Studie ist es, herauszufinden, wie sich eine 12-wöchige Therapiepause bei Kindern mit einer phonologischen Aussprachestörung im Alter von 5 – 6 Jahren auf die Übertragung des Gelernten in die Spontansprache auswirkt, wenn das Kind zu Beginn der Therapiepause den therapierten Laut (die therapierte Lautverbindung) zu 70 – 80 % in spontansprachlichen Situationen korrekt benützt, im Vergleich zu einer durchgehenden therapeutischen Intervention. Sekundär soll beobachtet werden, ob der Erwerb des Buchstabens einen positiven Einfluss auf den Transfer des gelernten Lautes in die Spontansprache hat. Es soll gezeigt werden, dass Kindern mit einer verzögerten phonologischen Entwicklung die Generalisierung des Gelernten in die Spontansprache nach Erreichen eines bestimmten Grenzwertes durch eine Therapiepause von 12 Wochen gelingt und dass daraus keine negativen Folgen für den Spracherwerb entstehen. Dadurch könnten in Zukunft logopädische Ressourcen effektiver genutzt, wodurch ohne zusätzliche Kosten mehr Kinder, bei gleichbleibender Qualität, therapiert werden könnten.

 Ethische Gesichtspunkte

Obwohl es im regulären Therapiealltag auch zu Therapiepausen kommen kann (z.B. durch Ferienzeiten) ist sich die FH Gesundheitsberufe OÖ ihrer ethischen Verantwortung in diesem Forschungsprojekt bewusst. Das Forschungsprojekt ETKA wurde durch das „Ethik- und Forschungskomitee“ der FH Gesundheitsberufe geprüft und wird im Laufe des nächstens Monats auf ClinicalTrials.gov registriert. Innerhalb der Studie werden sowohl Eltern als auch die betroffenen Kinder in den Rekrutierungsprozess eingebunden. Es besteht kein Risiko durch die Teilnahme an der Studie, da die betroffenen Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer nach Abschluss der Interventionsphase, sollte dies noch notwendig sein, wie üblich, die logopädische Betreuung bei einer freiberuflichen Logopädin/einem freiberuflichen Logopäden fortsetzten können.

Erste Ergebnisse

Da sich diese Studie noch in der Rekrutierungsphase befindet, liegen derzeit noch keine Ergebnisse vor.

 Informationen

https://www.fh-gesundheitsberufe.at/f-e/laufende-projekte/

Einfluss einer Therapiepause bei Kindern mit phonologischer Aussprachestörung im Alter von 5 – 6 Jahren (ETKA)

Fotocredit: Werner Barbara

Fotocredit: Werner Barbara

Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2019