Erasmus Teaching

Erfahrungsbericht von Manuela Ludwig

Ich bin gebeten, in diesem Newsletter etwas aus meiner persönlichen Erfahrung mit Erasmus Teaching zu berichten. Wo soll ich bloß beginnen, diese internationale Woche in Belgien zu beschreiben!? Dreimal war ich dabei – heuer im Herbst geht es erneut nach Dworp. Jedes Mal wieder bedeutet es einen Mut-Sprung meinerseits mich zu entscheiden teilzunehmen. Denn es fordert mich in meiner österreichischen Identität als Lehrende heraus, mich „intensivst“ einzulassen auf die belgische Kultur der kreativen Improvisation in einem europäischen Gemisch von zwischenmenschlicher Intensität Lehrender und Studierender –  im guten Sinne.

Ich bin mittlerweile vorbereitet auf Schlafentzug aufgrund andauerndem Austausch und Planung im Lehrenden-Team, Begleitung der Studierenden in intensiven persönlichen Prozessen und …. ob ich will oder nicht: täglichem Kontakt mit Spinnen, Käfern und krähenden Hähnen im Bett oder berittenen Pferden auf dem Campus, die aus dem „Nichts“ kommen und an uns vorbei jagen. Ob es warmes Wasser gibt oder nicht – das ist selten gewiss. Betten überzogen und Zimmer geputzt wird selber. Heuer weiß ich noch nicht, ob das Haus für die Lehrenden noch steht oder schon abgerissen wurde, weil geplant ist, es zu erneuern.

Das Schönste ist, dass jede und jeder, der dort ist, es wirklich will und gar nicht anders kann, als sich unablässig einzulassen. Der Platz in Dworp ist wunderbar eingebettet in die Natur und bietet in den Art-Rooms oder Dance-Rooms viel Platz und Möglichkeiten der Entfaltung.

80 – 90 Ergotherapie-Studierende sowie 10 – 20 Lehrende erhalten in dieser Woche eine internationale Perspektive unterschiedlicher europäischer Länder mit Fokus auf Kreativität in der professionellen Ergotherapeutischen Arbeit. Diese Kooperationen finden vor allem in den Workshops, Teachings und Reflexionen statt. Aber auch im gemeinsamen Betreiben der Bar – die „nächtlich“ von einer anderen Nation „geführt“ wird. Am „Cultural Evening“ zeigt sich jeder in seiner Landes-Tracht, mit Köstlichkeiten, Spezialitäten und Tänzen/Liedern seines Landes.

In den Workshops wird mittels „experience and exploration of the different creative media“ gearbeitet. Zum Beispiel sind dies Drama, Film, Photo, Tanz, Handwerk, und viele mehr. Die Inhalte enthalten immer Selbsterfahrung, Improvisation, kreatives Denken, Problem-Lösen und Handeln.  Dies führt alle Teilnehmenden an ihre persönlichen Grenzen, was einer intensiven Begleitung der Studierenden durch uns Lehrende bedarf.

Alle Studierenden arbeiten auch direkt mit „echten“ Klienten und Klientinnen. Es kommen Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, Erwachsene mit Körperbehinderungen und Senioren und Seniorinnen in die Workshops. Ein Tag ist immer direkt in Institutionen in Ghent und bietet noch mehr Einblick in Kultur und Arbeitsweise der Ergotherapie in Belgien. Dort werden die zuvor erworbenen kreativen Methoden direkt umgesetzt, diskutiert und reflektiert und der Campus besucht.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Erlebnisse in meinen Auslands-Aufenthalten sehr bereichernd sind. Indem ich meine Komfort-Zone verlasse, engen Kontakt und Austausch mit Kollegen und Kolleginnen aus 8 bis 12 europäischen Ländern habe, wir kreativ konzipieren und lehren. Vor allem auch der Einblick in die Organisation von internationalen Projekten und die Gelassenheit und Improvisations-Freudigkeit finde ich jedes Mal wieder bemerkenswert spannend und ermutigt mich selber für meine Lehrtätigkeit und meine Projekte mit Studierenden. Neues kann immer erst entstehen, wenn wir die bekannten Wege verlassen. Ich kann es nur empfehlen!

Manuela Ludwig, MSc

Artevelde Hoogeschool

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